
Wie das Kreistanzen zu mir zurückfand
Vor einigen Jahren fragte mich eine Freundin, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zum Kreistanzen zu gehen. Der Begriff sagte mir damals nicht viel, aber meine Neugier war größer – also habe ich eingewilligt.
An einem Abend trafen wir uns vor dem kleinen Dorfladen, in dem wir früher beide gearbeitet hatten, und fuhren von dort aus gemeinsam in die nächste Ortschaft. Das Treffen fand in einem Dorfgemeinschaftshaus statt. Wie viele Frauen damals dabei waren, weiß ich nicht mehr genau. Aber ich erinnere mich gut daran, wie herzlich mich Marion, die die Gruppe leitete, begrüßt hat.
Und dann ging es auch schon los: Verschiedene Lieder aus unterschiedlichen Ländern wurden anmoderiert. Zu jedem Stück gab es eine kleine Geschichte oder Erklärung, dann wurden die Schritte gezeigt – und schon tanzten wir los. Die Frauen waren klar in der Überzahl, aber ein paar Männer gab es auch. Und obwohl ich zu den jüngeren Tänzerinnen gehörte, empfand ich das Kreistanzen als unglaublich wohltuend – für den Körper und für die Seele.
Aber woher kommt eigentlich die Tradition der Kreistänze?
Eine kurze, grobe Geschichte der Kreistänze
- Uralte Wurzeln — Kreistänze gehören zu den ältesten Tanzformen der Menschheit. Schon frühe Kulturen in Europa, im Nahen Osten und in Asien tanzten im Kreis, oft zu besonderen Anlässen.
- Symbolik des Kreises — Der Kreis stand für Gemeinschaft, Schutz und Verbundenheit. Viele Tänze waren Teil von Ritualen, Jahreszeitenfesten oder Übergangsriten.
- Regionale Traditionen — Später entwickelten sich regionale Formen wie die griechischen Sirtos, die israelische Hora, das bulgarische Horo oder der bretonische An Dro.
- Moderne Kreistänze — Im 20. Jahrhundert entstanden auch meditative und spirituelle Varianten, die traditionelle Schritte mit moderner Musik verbinden.
Nach der Coronazeit habe ich mit dem Kreistanzen erst einmal aufgehört. Die langen Pausen, die Unsicherheit und all die Veränderungen im Alltag haben dazu geführt, dass dieser schöne Teil meines Lebens eine Weile verschwunden ist.
Doch irgendwann merkte ich, wie sehr mir das Tanzen und die Gemeinschaft fehlten. Vor einigen Monaten habe ich dann den Schritt gewagt und bin wieder eingestiegen – diesmal in einer anderen Gruppe.
Und obwohl ich niemanden kannte, fühlte ich mich erstaunlich schnell wohl. Die Offenheit der Menschen, die Musik und die vertraute Bewegung im Kreis haben in mir etwas geweckt, das ich lange vermisst hatte. Es war, als würde ein Stück Leichtigkeit zurückkehren.
Was mich beim Kreistanzen immer wieder berührt, ist dieses besondere Gefühl der Verbundenheit. Wir stehen Hand in Hand, bewegen uns gemeinsam im Rhythmus, und für einen Moment verschwimmen Alter, Herkunft und Alltag. Es zählt nur der Kreis, die Musik und dieses stille Einverständnis zwischen uns.
Wenn wir tanzen, entsteht eine Nähe, die nicht laut ist, sondern leise und tief – ein Gefühl von getragen werden und gleichzeitig andere mittragen. In diesen Momenten spüre ich, wie gut es tut, Teil von etwas Gemeinsamen zu sein, das größer ist als jede einzelne von uns.
Und natürlich gehört beim Kreistanzen auch immer eine gute Portion Humor dazu.
Es passiert regelmäßig, dass jemand einen Schritt zu früh oder zu spät macht, wir uns gegenseitig auf die Füße tapsen oder der ganze Kreis plötzlich in eine andere Richtung läuft als geplant. Doch genau diese kleinen Pannen machen unsere Abende so menschlich und warm. Wir lachen miteinander, nie übereinander, und gerade dieses gemeinsame Lachen verbindet uns noch mehr. Es nimmt die Schwere aus dem Alltag und erinnert mich jedes Mal daran, dass Tanzen nicht Perfektion bedeutet, sondern Freude, Leichtigkeit und das Zusammensein im Moment.
Wenn ich heute zum Kreistanzen gehe, fühlt es sich an wie ein kleiner, kostbarer Raum außerhalb des Alltags. Ein Ort, an dem Musik, Bewegung und Gemeinschaft zusammenfließen.
Jeder Abend ist anders, und doch trägt jeder dieselbe Wärme in sich. Wir tanzen, lachen, stolpern manchmal gemeinsam – und genau darin liegt die Schönheit.
Für mich ist das Kreistanzen zu einem sanften Anker geworden, der mich immer wieder zurück in meinen Körper, in die Freude und in die Verbindung mit anderen Menschen bringt. Es erinnert mich daran, wie gut es tut, sich im Kreis zu bewegen: getragen, gehalten und gleichzeitig frei.
✨ Zum Schluss eine Frage an dich:
- Hast du etwas in deinem Leben, das dich trägt oder dir Leichtigkeit schenkt?
- Gibt es eine Tätigkeit, die dich so erfüllt wie mich das Kreistanzen?
- Oder hast du selbst schon einmal im Kreis getanzt und ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken mit mir teilst 💙