Der kleine Bote

Kiefernzweig

Der kleine Bote

Manchmal sind es die kleinen Begegnungen, die uns innehalten lassen. Ein Geräusch, ein Tier, ein Moment, der sich einfach richtig anfühlt. Letztes Wochenende hatte ich genau so einen Moment – und er hat mich tiefer berührt, als ich erwartet hätte.

Letztes Wochenende haben mein Mann und ich einen spontanen Ausflug nach Pfullendorf gemacht. Ein schönes Städtchen mit einer interessanten Geschichte.

Der Zweck unseres Ausfluges sollte reiner Erholung dienen. Wir wollten nur ein bisschen schlendern und eventuell Ausschau nach Bücherregalen halten. Zum Thema Bücherregal werde ich einen separaten Blogeintrag verfassen.

Also in Pfullendorf angekommen, ging es auch schon los mit dem Sightseeing. Eigentlich kennen wir die Stadt schon, aber nette Orte besuchen wir gerne wieder.

Irgendwann gingen wir an einer schönen alten Mauer entlang – oder eher an einem steinernen Geländer, an dem man sich anlehnen und hinunter auf die Altstadt schauen konnte.

Wir haben eine kurze Pause eingelegt und, am Geländer lehnend, auf die Stadt hinuntergeschaut. Auf einmal haben wir ein lautes Summen vernommen, und ein wunderschöner, goldgrüner Maikäfer hat sich direkt vor uns, genau mittig zwischen meinem Mann und mir, auf der Mauer niedergelassen.

Wir haben ihn beide neugierig betrachtet, und der glänzende Gast hat sich vor uns „entleert“, uns seinen Hinterteil ausgestreckt und ist dann ganz gemütlich davon geflogen.

Mein Mann und ich haben uns angeschaut und gelacht, dass wir wohl an der öffentlichen Toilette für Insekten stehen.

Am gleichen Abend hatte ich einen Infoabend zu einer Ausbildung in Tierkommunikation. Ich habe von diesem Maikäfer-Vorfall erzählt und bekam den Impuls, dass mir der Maikäfer vielleicht etwas mitteilen wollte.

Spannend, dachte ich, und habe im Netz recherchiert, welche Botschaft mir so ein schöner Maikäfer als Krafttier überbringen könnte.

Und dann wurde es richtig interessant für mich, denn zutreffender hätte es nicht sein können.

Am meisten hat mich diese direkte Botschaft angesprochen und zutiefst berührt:

„Ich bin zu dir gekommen, weil du glaubst, du steckst fest.

Doch du stehst nicht still – du verwandelst dich.

Du hast viel verloren, und dein Herz ist müde.

Aber du bist nicht allein.

Ich zeige mich dir, um dich daran zu erinnern,

dass Wachstum im Dunkeln geschieht,

dass Heilung Zeit braucht,

und dass du nicht perfekt sein musst, um weiterzugehen.

Du darfst trauern.

Du darfst langsam sein.

Du darfst ungeschickt sein.

Und trotzdem wirst du fliegen.

Vertraue deinem Rhythmus.

Vertraue deinem Weg.

Du bist näher am Licht, als du glaubst.“

Warum gerade das?

Ich bin seit einigen Monaten ohne feste Beschäftigung. Mein geliebter Vierbeiner ist vor wenigen Wochen über die Regenbogenbrücke gegangen.

Diese Übergangsphase, die sich schwer anfühlt, lässt mich trotzdem spüren, dass ich näher am Durchbruch bin, als ich glaube.

Der schimmernde Käfer zeigt mir, dass ich loslassen darf, dass ich trotzdem weitergehen kann – langsam, tapsig, unperfekt.

Meine Arbeit im Verborgenen wird sichtbar werden. Wenn die Zeit reif ist.

Und du ?

Vielleicht begegnet dir auch ein kleiner Moment, der dich innehalten lässt. Ein Tier, ein Geräusch, ein Symbol, das sich dir zeigt, ohne dass du danach suchst. Manchmal sind es genau diese unscheinbaren Augenblicke, die uns etwas zuflüstern wollen.

Vielleicht ist es ein Käfer. Vielleicht ein Vogel. Vielleicht ein Wort, das dir immer wieder begegnet.

Ich möchte dich einladen, in den nächsten Tagen achtsamer zu sein – nicht im Sinne von „mehr tun“, sondern im Sinne von mehr wahrnehmen. Denn das Leben spricht mit uns, leise, sanft, oft zwischen zwei Atemzügen.

Und wer weiß… Vielleicht wartet auch auf dich ein kleiner Bote.

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